Ministerpräsident spricht bei Kommers in Mühlen/Ehrungen für Mitgliedschaft.
Simone Brauns-Böhmermann
Mühlen „Das wird groß“ steht auf dem Geschenk an Olaf Lies. Eingepflanzt ist ein Bonsai-Bäumchen, den der Ministerpräsident mit in die Staatskanzlei vom Schützenfest in Mühlen nimmt. Das Minibäumchen wächst langsam, wird nie riesig, aber ist eine Konstante, hatte sich der noch amtierende König Thorsten Balster gedacht. Er hatte den Draht in die Staatskanzlei nach Hannover und jetzt hatte Lies zugesagt, Festredner zu sein.
Der niedersächsische Landesvater fühlte sich sichtlich wohl unter den 900 Gästen. Sein Platz war gut gewählt: „Kein Fest ohne göttlichen Beistand“ bezeichnete Präsident Thorsten Wendt die Szene, Lies saß zwischen den Pfarrern Bernd Strickmann (katholisch) und Christoph Schäfer (evangelisch) gemeinsam mit Bürgermeister Sebastian Gehrold und Ehefrau.
Mit seinem Besuch trat Lies in die Fußstapfen von David McAllister, Philipp Rössler und Silvia Breher als Gastredner in Mühlen. Darum fragte sich Bürgermeister Gehrold aber: „Wie macht Thorsten Balster das, diese Kaliber nach Mühlen zu holen?“ Balster denke groß.
Aber: Wie kam es konkret zu der Einladung? Balster kennt Olaf Lies seit 2008. Kennengelernt haben die zwei sich im Zug nach Hannover und sind seitdem befreundet. „Endlich hat es geklappt, zweimal musstest du mir einen Korb geben, aber du weißt schon warum. Du kommst erst nach Mühlen, wenn du Ministerpräsident bist“, begrüßte Balster den Festredner.
Lies selbst sprach offen und zitierte die lokale Zeitung: „Unternehmen stehen im Oldenburger Münsterland Schlange“, las er. „Es gibt ja doch positive Nachrichten in Niedersachsen“. Dann macht er die Basis klar: „Ich bin nicht nur Friese, ich bin auch Sozi, das musste mal raus“. Nur wenig Raunen im Festzelt.
Lies fühlte sich willkommen bei den Schützen als Mensch, trotz anderer Farbe des Parteibuches. Er sei ein pragmatischer Sozialdemokrat, und sein Motto ist: Wir sind alle Menschen, suchen die Kommunikation und wir grenzen niemanden aus. Das war die Botschaft Richtung AfD. „Wir brauchen keine Sündenböcke, wir brauchen Schützenfeste wie hier.“
Er sei sich sicher, dass die Politik in Berlin derzeit viel zu hektisch ist, und dass sich jeder Politiker von der Schützengemeinschaft etwas abschauen müsse. Lies unterstreicht damit die Verantwortung „Hier wird mit Waffen hantiert“, den sportlichen Gedanken und das Ehrenamt.
Die Größe des Festzeltes inspirierte ihn: „Lasst uns als Niedersachsen selbstbewusster sein, Ihr seid groß, Niedersachsen ist groß.“ Er unterstrich aber auch, dass er nicht sagen würde „Wir sind die Größten“ mit Seitenhieb nach Bayern. Was er hier sehe, könne sich keine Werbefirma ausdenken, das geschehe, das sei Leben.
Etwas ernster war der Part zur Verunsicherung der Wirtschaft. Sein Gegenargument: „Wir haben so viele junge, innovative Menschen, die etwas bewegen möchten.“ Er sprach sich für die Kommunikation Auge in Auge aus, statt permanentem Chat in der digitalen Welt.
Lies war gut vorbereitet, sprach die Schützen mit Namen an, merkte sich, wer geehrt wurde, und kam als glühender Schützenfest-Fan in Mühlen rüber. Er freute sich über den Termin auch, weil es keine Pressekonferenz sei, eher das Motto „Nicht lang schnacken, Kopp in Nacken“ heißt. Und er scherzte „Wenn der Mann morgens gestriegelt zum Schützenfest geht, abends nicht mehr weiß, wo er Jacke und Hut gelassen hat und die Familie trotzdem stolz auf ihn ist, dann ist Schützenfest.“
